Brief der Freundin Jutta
– „Vor lauter Begeisterung vergesse ich noch Euch zu gratulieren.“
Brief von Jutta G. vom 7. Juli 1959 an Fräulein Marianne Bohmhauer, z.Zt. poste restante, Stockholm – Central, Schweden
Meine liebe Marianne!
Als ich eben nach Hause kam, fand ich Deine beiden Briefe vor. Als erstes machte ich die Verlobungsanzeige auf. Du kannst Dir gar nicht denken, wie mir zumute war. Ich wäre am liebsten an die Decke gesprungen. Ich kann Dir gar nicht sagen, was ich für Gefühle gehabt habe. Fest steht, daß mich ein ganz großes Glücksgefühl durchströmte. Ich wäre Dir am liebsten um den Hals gefallen. Es hat mich so sehr bewegt, als wäre es meine eigene Verlobung.
Wie nett habt Ihr es Euch überlegt, Euch in Kopenhagen zu verloben. Obwohl ich schon damit gerechnet habe, daß Ihr Euch unterwegs irgendwo verlobt, so hatte ich keinesfalls damit gerechnet, daß es so schnell ginge. Du hast ja gut dicht gehalten! Meine Hochachtung. Die Vorfreude muß ja für Dich unermesslich groß gewesen sein. Erstens die Fahrt und dann noch die Verlobung. Ja, nun bist Du die erste von uns dreien. Ach, wir armen beiden Würmchen müssen noch voller Ungeduld warten auf den großen Tag. Aber schließlich hast Du das ja auch gekonnt. Wir wollen Dir natürlich auf keinen Fall nachstehen. So viel ich weiß, habt Ihr Euch 3 Jahre gekannt. Vielleicht werde ich noch länger warten müssen. Aber deshalb will ich nicht den Kopf hängen lassen. Das Wichtigste ist ja schließlich, daß man weiß, daß man zusammengehört. Aber trotz meiner kühlen Überlegungen, die ich immer wieder aufstelle, beneide ich Dich sehr. Ach, ich kann Dir nachfühlen, wie schön es ist, einen Ring zu tragen.
Vor lauter Begeisterung vergesse ich noch Euch zu gratulieren. Nehmt von Herzen die besten Wünsche für diesen entscheidenden Schritt und zugleich für Euer weiteres Leben. Ich wünsche Euch, daß Ihr Euch ein ganzes Leben lang so gut verstehen möget, wie jetzt. Ich weiß, daß Ihr es verstehen werdet, Euer Leben so zu gestalten, daß Ihr alles Schwere und Schöne gemeinsam durchstehen werdet und alles gemeinsam tragen werdet. So kann das Leben für Euch nur von Tag zu Tag köstlicher werden. In Gedanken überreiche ich Euch einen großen duftenden Blumenstrauß und drücke Euch beiden die Hand.
Der Abschied fiel mir so schwer, Marianne, von Dir, so daß ich mich nach der Verabschiedung so richtig troddelig vorkam. Meine Kehle war wie zugeschnürt, so daß ich kein Wort mehr herausbekommen hätte. Aber trotzdem werde ich den Abschied nie vergessen. Du hast mir noch eine so große Freude mit der Platte gemacht. Ich habe sie schon wieder zweimal gehört. Immer denke ich ganz bestimmt an Dich, wenn ich die Platte auflege. Aber auch sonst denke ich oft an Euch beide. Oh, was werdet Ihr alles erleben!
Ich wünsche Euch alles Gute und ein immer dickes Geldsäckel, damit Ihr noch recht viel zu sehen bekommt von dem schönen Skandinavien
Gute Fahrt!
Deine Jutta